Kaufberatung für Einsteiger

Ich habe fast 25 Jahre lang im Foto- und Videohandel Geräte verkauft und weiß, dass viele Kameras einer bestimmten Preisklasse in ihrer Ausstattung oft sehr ähnlich sind. Das macht eine Kaufentscheidung nicht einfach. Bei der Kaufberatung war mir immer wichtig, dass der Kunde mit dem Gerät zurecht kommt. Aber woher weiß man das, wenn man zum Beispiel im Internet bestellt? Es gibt vier Arten von Geräten, mit welchen du Videoaufnahmen machen kannst:

  • Handy- und Tabletgeräte
  • SLR- und Bridgekameras
  • Kompakt- und Vlog-Kameras
  • Videokameras / Camcorder

Auf Handy- und Tabletgeräte möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. Diese mobilen Geräte sind in den meisten Haushalten bereits vorhanden und werden nicht extra wegen der Videofunktion gekauft.

SLR- und Bridgekameras sind eine gute Möglichkeit, qualitativ hochwertige Filme zu drehen. Für Einsteiger kommen sie oft wegen der höheren Anschaffungskosten nicht infrage. Unter ‚Bridgekamera‚ findest du einen kurzen Bericht über die aktuellen Modelle.

An dieser Stelle möchte ich dich über herkömmliche Camcorder informieren. Vielleicht sind dir bei deinen ersten Kameravergleichen die folgenden Angaben ins Auge gefallen. Oft handelt es sich dabei um werbetechnische Aussagen, mit welchen sich die Hersteller messen. Aber sind diese Angaben wirklich immer so wichtig bei deiner Kaufentscheidung?

Beispiel für ein technisches Datenblatt (anklicken)

Zoombereich

Viele Hersteller bewerben ihre Geräte mit einem besonders starken Zoomobjektiv. Mache deine Kaufentscheidung nicht davon abhängig, weil Kamera X ein ‚tolles‘ 50-fach-Zoom hat und Kamera Y ’nur‘ ein 20-faches. Je weiter du die Zoomstärke deiner Kamera ausreizt, desto stabiler (und somit auch teurer) muss das Stativ sein. Denk dran: Schon bei einer 6-fachen-Vergrößerung kann kein Mensch eine Filmkamera verwacklungsfrei halten. Falls du jedoch Vögel oder andere Tiere beobachtest, dann kann ein großer Zoombereich sehr interessant sein. Sobald du die Möglichkeit hast, dich deinem Motiv zu nähern, sind deine Füße das beste Zoom. Als Vlogger reicht dir vermutlich eine geringe Zoomstärke. Völlig unwichtig ist übrigens das Digitalzoom. Hier wird lediglich ein Ausschnitt aus dem Aufnahmechip gespeichert und hochvergrößert. Die Qualität wird schlechter.

Lichtstärke und Lux-Zahl

Die Lichtstärke des Objektives ist wichtiger als die Zoomstärke. Dabei gilt, dass eine kleinere Zahl der bessere Wert ist. Die Objektive der Einsteigermodelle (ab ca. 160 €) bewegen sich alle im Bereich +/- Blende 1.8 im Weitwinkel- bis 4.2 im Telebereich. Das sind hervorragende Werte. Es gibt auch No-Name-Produkte, die aufgrund ihres günstigen Preises Einsteiger unter 100 € zum Kauf verleiten. Hier sparst du an der falschen Stelle. Denn du wirst schon schnell feststellen, dass du in einem spärlich beleuchteten Raum nur selten eine Chance auf qualitativ gute Aufnahmen hast. Der Lux-Wert gibt Auskunft über die Mindestbeleuchtungsstärke. Je geringer die Zahl ist, desto besser. Ein guter Wert sind 3 oder 4 Lux. Teurere Modelle haben meist eine bessere Lux-Zahl.

Bildstabilisator

Alle Geräte besitzen einen Bildstabilisator. Auch wenn diese in den letzten Jahren immer besser geworden sind, heißt das nicht, dass dieser ein Stativ ersetzt. Es gibt elektronische und optische Stabilisatoren. Der elektronische Stabilisator wird meist in günstigere Geräte eingebaut. Hier verwendet die Kamera einen Ausschnitt aus dem Aufnahmechip, um die Verwacklung zu reduzieren. Besser ist der optische Stabilisator, denn hier erfolgt der Ausgleich über das Objektiv.

Auflösung

Wenn man die Begriffe zur Abspeicherung der Clips anschaut, könnte einem schwindlig werden. Da gibt es AVCHD, AVI, FLV, MPG4 oder 3GP, um nur ein paar zu nennen. Die Endung der abgespeicherten Clips ist bei einer Panasonic eine andere als bei einem Canon- oder Sony-Camcorder. Hier gibt es keine einheitlichen Angaben. Alle von mir vorgestellten Geräte zeichnen in der höchsten Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln auf. Oft wird unterschieden in 1080i und 1080p (i=interlaced, p=progressive). Ich denke, dass das bei deinen Aufnahmen kaum einen groß erkennbaren Unterschied machen wird. Du kannst an der Kamera auch eine geringere Auflösung wählen, z.B. wenn du Aufnahmen für das Internet erstellst.

Tonaufzeichnung

Der Ton ist beim Filmen genauso wichtig wie das Bild. Schade, dass an dieser Stelle die meisten Hersteller sparen. Während man früher bei nahezu jeder Videokamera ein Richtmikrofon anschließen konnte, ist das heute nur noch bei den teureren Profi-Modellen üblich. Die Mikrofone der Einsteigerkameras haben fast immer eine Kugelcharakteristik. Das heißt, sie nehmen alle Geräusche um dich herum wahr. Also auch die, auf die du vielleicht gar keinen Wert legst (z.B. Windrauschen). Sobald ein neues Geräusch in Kameranähe auftaucht, wird sich das Mikrofon auf dieses einstellen. Viele Käufer bemängeln, dass bei totaler Stille (Kirche, Landschaft) der Motor der Kamera zu hören ist. Das ist bei den meisten Kompaktgeräten normal, da das Mikro nahe beim Laufwerk liegt.

Gewicht und Größe

Wenn du deine Kamera ständig mitnimmst, viel unterwegs bist oder hauptsächlich Action-Sport-Aufnahmen machst, kann ein geringes Gewicht natürlich eine Rolle spielen. Generell ist es aber so, dass du mit etwas mehr Gewicht in der Hand eher ohne Stativ filmen kannst und somit flexibler bist. Mit einem leichten Gerät zittert man mehr, vor allem im Telebereich. Bei der Größe der Kamera würde ich darauf achten, dass sie wirklich bequem in der Hand liegt. Eine Mini-Kamera ist für große Hände nicht gut geeignet (umgekehrt natürlich genauso), da du mit den Fingern die wichtigen Funkionen wie Aufnahmetaste oder Zoomwippe nicht erreichst.